Thomas Kramer

IT · QM · Gedanken

Nextcloud und IONOS entwickeln Euro-Office: Die europäische Antwort auf Microsoft

Nextcloud und IONOS arbeiten gemeinsam an einer quelloffenen Office-Suite als Alternative zu Microsoft Office. Das Projekt namens Euro-Office soll im Sommer in einer ersten stabilen Version erscheinen.

„Das Produkt ist für den gesamten Markt gedacht, vom Kleinunternehmen bis zum Public Sector", sagte Ionos-CEO Achim Weiß bei der Ankündigung in Berlin.

Warum nicht einfach LibreOffice?

Die Partner fangen nicht bei Null an. Sie haben den Open-Source-Code von OnlyOffice geforkt und bauen darauf auf. Die Begründung: Die Architektur und Codebasis von OnlyOffice sei moderner als LibreOffice und dessen Browservariante Collabora.

Artemis 2: Outlook streikt auf dem Weg zum Mond

Manche Probleme sind wirklich universell. 384.000 Kilometer von der Erde entfernt, auf dem Weg zum Mond, erlebt Artemis-2-Kommandant Reid Wiseman etwas, das jeder Windows-Nutzer kennt: Outlook funktioniert nicht.

Was passiert ist

Etwa sieben Stunden nach dem Start meldet sich Wiseman im Livestream mit Mission Control in Houston: „I have two Microsoft Outlooks on my PCD, and neither one of those are working." PCD steht für Personal Computing Device, also einen speziellen Tablet-Computer der Orion-Kapsel, über den die Astronauten E-Mails abrufen und auf Missionsdaten zugreifen.

Angriffe auf Staudämme, Wasserwerke und Krankenhäuser: Cyber-Physische Kriege sind kein Science-Fiction mehr

Wenn Cyber-Sicherheitsexperten sagen „wir sind im Krieg", dann klingt das nach Übertreibung. Bis man liest, was tatsächlich passiert ist.

Der Orange Cyberdefense Security Navigator 2026 dokumentiert 139.373 Sicherheitsvorfälle und 19.053 bestätigte Brüche zwischen Oktober 2024 und September 2025. Aber die Zahlen sind nicht das Problem. Die Qualität der Angriffe ist es.

Der Staudamm von Bremanger

Am 7. April 2025 übernahmen Angreifer die Kontrolle über den Bremanger-Damm in Norwegen. Sie öffneten die Schleusen und ließen 500 Liter Wasser pro Sekunde vier Stunden lang strömen. Norwegen’s Sicherheitsdienst führt den Angriff auf russische Hacker zurück.

Der Deutschland-Stack: 50 offene Standards für eine souveräne Verwaltung

Wer in Deutschland eine Verwaltungsleistung digital nutzen will, stößt auf ein Grundproblem: 16 Bundesländer, hunderte Kommunen und der Bund betreiben eigene IT-Systeme, die oft nicht miteinander sprechen. Unterschiedliche Formate, proprietäre Schnittstellen, gewachsene Insellösungen. Die technische Fragmentierung ist einer der Hauptgründe dafür, dass die Digitalisierung des Staates seit Jahren stockt.

Der IT-Planungsrat hat nun mit Beschluss B-2026/03-IT einen verbindlichen Standardrahmen beschlossen: den Deutschland-Stack. Über 50 offene Standards, verteilt auf sieben Schichten, von der Netzwerkvirtualisierung bis zur KI-Agenten-Kommunikation.

Broadcom setzt zum Todesstoß an: Warum europäische Cloud-Provider um ihre Existenz kämpfen

Am 19. März 2026 hat der europäische Cloud-Verband CISPE eine Wettbewerbsbeschwerde gegen Broadcom bei der EU-Kommission eingereicht. Der Vorwurf: Broadcom missbrauche seine marktbeherrschende Stellung mit der VMware-Virtualisierungssoftware. Die Kosten für europäische Cloud-Dienstleister seien nach Broadcoms Übernahme von VMware um mehr als 1.000 Prozent gestiegen.

Was passiert ist

Broadcom hat VMware im November 2023 übernommen. Was folgte, war eine Abfolge von Entscheidungen, die europäische Cloud-Provider in existenzielle Schwierigkeiten brachte:

Passkeys erklärt: Login ohne Passwort, und warum das besser ist

Passwörter sind kaputt. Das wissen wir seit Jahren. Trotzdem tippen wir sie jeden Tag ein, vergessen sie regelmäßig und verwenden viel zu oft dasselbe. Passkeys sollen das ändern. Aber was steckt eigentlich dahinter?

Was ein Passkey ist

Ein Passwort ist etwas, das du weißt. Du tippst es ein, der Server prüft ob es stimmt. Das Problem: Wenn jemand dein Passwort kennt (durch Phishing, Datenleck oder Erraten), kommt er rein. Das Passwort ist das Geheimnis, und es liegt auf beiden Seiten.

Was passiert, wenn die Cloud ausfällt? Im Katastrophenschutz darf die Frage nicht unbeantwortet bleiben

83 Prozent der Unternehmen in der DACH-Region halten ein sogenanntes Kill-Switch-Szenario für realistisch. Also die Möglichkeit, dass ein Cloud-Provider den Zugang zu kritischen IT-Services einseitig einschränkt oder abschaltet. Gleichzeitig haben nur 57 Prozent eine Exit-Strategie. Fast die Hälfte hat keinen Plan B, wenn der Ernstfall eintritt.

Das ergab eine Studie von Lünendonk & Hossenfelder, für die zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 insgesamt 155 IT-Verantwortliche befragt wurden. Beteiligt waren CIOs, IT-Bereichsleiter und Security-Verantwortliche aus Industrie, KRITIS-Sektoren, Banken und Versicherungen.

E-Evidence: Wie die EU ab sofort grenzüberschreitend auf Cloud-Daten zugreift

Ende der Rechtshilfe-Mails: Die EU greift direkt auf Cloud-Daten zu

Am 12. März 2026 wurde im Bundesgesetzblatt ein Gesetz verkündet, das weitreichende Folgen für jeden Cloud-Anbieter hat, der in der EU tätig ist. Das Elektronische-Beweismittel-Umsetzungs-und-Durchführungsgesetz (kurz EBewMG) setzt die europäische E-Evidence-Verordnung in deutsches Recht um. Der erste Teil ist bereits in Kraft, der Rest folgt am 18. August 2026.

84 Commits in 6 Wochen: Wie ich eine Auslastungsberechnung für den Rettungsdienst gebaut habe

Im Februar 2026 habe ich angefangen, eine Web-App zu bauen, die die Auslastung von Rettungsdienstfahrzeugen berechnet. Sechs Wochen und 84 Commits später läuft Version 5.4 im Produktivbetrieb. Das klingt nach einem geradlinigen Projekt. War es nicht.

Warum überhaupt?

Im Rettungsdienst gibt es sogenannte Vorhaltungszeiten: festgelegte Zeitfenster, in denen ein Fahrzeug einsatzbereit sein muss. Ob ein Fahrzeug in diesen Zeiten tatsächlich ausgelastet ist, bestimmt langfristig, ob es weiter finanziert wird. Die Berechnung ist nicht trivial: Schichtzeiten, Feiertage, Fahrzeugtypen, Ersatzfahrzeuge, Nachtdienste über Mitternacht. All das fließt ein.

Open Source wird zum Standard in der deutschen Verwaltung

Der IT-Planungsrat hat auf seiner 48. Sitzung am 26. November 2025 überarbeitete Musterverträge für die IT-Beschaffung der öffentlichen Hand beschlossen. Acht der sogenannten Ergänzenden Vertragsbedingungen für IT-Dienstleistungen (EVB-IT) wurden so angepasst, dass Bund, Länder und Kommunen Open-Source-Software künftig rechtssicher beschaffen können. Bislang waren die Vertragsvorlagen ausschließlich auf proprietäre Software ausgelegt.

Was sich konkret ändert

Die gewichtigste Neuerung findet sich im EVB-IT Erstellung: Bei neuen Softwareprojekten wird die Entwicklung und Bereitstellung als Open-Source-Software zum Standard. Vorgesehen ist die Veröffentlichung auf OpenCoDE, der zentralen Plattform der öffentlichen Verwaltung für quelloffene Software. Darüber hinaus sollen Auftragnehmer künftig eine SBOM übergeben, eine maschinenlesbare Software Bill of Materials. Das verbessert die Transparenz über verwendete Bibliotheken und erleichtert das Schwachstellenmanagement.