Artemis 2: Outlook streikt auf dem Weg zum Mond

Manche Probleme sind wirklich universell. 384.000 Kilometer von der Erde entfernt, auf dem Weg zum Mond, erlebt Artemis-2-Kommandant Reid Wiseman etwas, das jeder Windows-Nutzer kennt: Outlook funktioniert nicht.

Was passiert ist

Etwa sieben Stunden nach dem Start meldet sich Wiseman im Livestream mit Mission Control in Houston: „I have two Microsoft Outlooks on my PCD, and neither one of those are working." PCD steht für Personal Computing Device, also einen speziellen Tablet-Computer der Orion-Kapsel, über den die Astronauten E-Mails abrufen und auf Missionsdaten zugreifen.

Wiseman bat Houston, remote auf seinen PCD zuzugreifen. Mission Control bestätigte: „We’re going to get into your PCD and let you know when we are done." Kurz darauf verkündeten die Bodenkontrolleure: „For Outlook, we were able to get it open. It will show offline, which is expected."

Offline in einer 30 Tonnen schweren Raketenkapsel, die gerade mit 17.500 Stundenkilometern zum Mond fliegt. Der Ascend-Flight-Director Judd Frieling bestätigte bei der täglichen Pressekonferenz, dass solche Outlook-Probleme nicht selten auftreten.

Das Klo war auch kaputt

Bevor es mit dem E-Mail-Client bergab ging, hatten die Astronauten bereits ein anderes technisches Problem zu bewältigen: das Klo streikte. Ein Lüfter in der Toilette blockierte. Das konnte die NASA mittlerweile beheben. Das Outlook-Problem hingegen blieb bestehen.

Mit Thunderbird wäre das nicht passiert

Aber im Ernst: Was sagt uns das? Die Menschen fliegen zum Mond, die erste bemannte Mondmission seit über 50 Jahren, das Apollo-Programm mit Rundröhren-Technik, und jetzt leidet die Crew unter denselben E-Mail-Problemen wie der Sachbearbeiter im Homeoffice. Zwei laufende Outlook-Instanzen, die sich gegenseitig blockieren, ist kein Weltraumphänomen. Das ist Montagmorgen.

Fragt sich, warum NASA überhaupt Microsoft Outlook als E-Mail-Client im Weltraum einsetzt. Thunderbird, das quelloffene Mail-Programm von Mozilla, wäre zumindest eine Alternative gewesen. Weniger Abhängigkeit von proprietärer Software, kein Licensing-Problem, und die Community hätte wahrscheinlich sogar kostenlos Weltraum-Tickets für Bug-Reports verlost.

Doch spätestens, wenn die Crew der Artemis 2 schreibt, dass sie „zwei Outlooks hat, und keines funktioniert", weiß man: Microsofts Software ist wirklich überall. Selbst im All. Besonders im All.

Warum das eigentlich wichtig ist

Das lustige an der Geschichte ist die Universalität. Jeder, der je mit Windows gearbeitet hat, kennt das Phänomen: Zwei Outlook-Instanzen, die sich gegenseitig blockieren. Dass das auch im Weltraum passiert, bei einer Mission mit einem Budget von Milliarden Dollar, ist ein unerwarteter Realitätsanker.

Die Artemis 2 bringt Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und Jeremy Hansen zum Mond und zurück. Die Crew wird bei der Umrundung des Mondes weiter von der Erde entfernt sein als jeder Mensch zuvor. Millionen Kilometer von der IT-Abteilung entfernt, und Outlook streikt trotzdem.

Vielleicht ein Grund, lokale E-Mail-Clients ernster zu nehmen. Oder zumindest ein Backup zu haben.


Quellen: