Broadcom setzt zum Todesstoß an: Warum europäische Cloud-Provider um ihre Existenz kämpfen

Am 19. März 2026 hat der europäische Cloud-Verband CISPE eine Wettbewerbsbeschwerde gegen Broadcom bei der EU-Kommission eingereicht. Der Vorwurf: Broadcom missbrauche seine marktbeherrschende Stellung mit der VMware-Virtualisierungssoftware. Die Kosten für europäische Cloud-Dienstleister seien nach Broadcoms Übernahme von VMware um mehr als 1.000 Prozent gestiegen.

Was passiert ist

Broadcom hat VMware im November 2023 übernommen. Was folgte, war eine Abfolge von Entscheidungen, die europäische Cloud-Provider in existenzielle Schwierigkeiten brachte:

Dezember 2023: Allen VMware-Partnern wurde fristlos gekündigt. Die Verträge endeten für die meisten Partner im Januar 2024, bei Service Providern spätestens im April. Nur ausgewählte Partner sollten Zugang zum neuen Partnerprogramm bekommen.

2024: Das neue Lizenzmodell trat in Kraft. Statt einzelner Lizenzen gab es nur noch Abonnements. Statt flexibler Nutzung Mindestabnahmen und Vorauszahlungen. Preise stiegen um das Zehnfache und mehr.

Mai 2025: Der deutsche IT-Anwenderverband Voice e.V. reichte eine Beschwerde ein. Preiserhöhungen von mehreren hundert Prozent und Druck auf Kunden mit auslaufenden Verträgen wurden dokumentiert. CISPE berichtete von Preissteigerungen von 800 bis 1.500 Prozent.

Januar 2026: Broadcom kündigte die Beendigung des VMware Cloud Service Provider-Programms (VCSP) in Europa an. Lediglich wenige handverlesene Partner dürften weitermachen. Warum das Programm speziell in Europa beendet wird, während es andernorts bestehen bleibt, erklärte Broadcom nicht.

März 2026: CISPE reicht die offizielle Wettbewerbsbeschwerde bei der EU-Kommission ein. Der Verband fordert die sofortige Aussetzung der VCSP-Kündigung, die Wiederaufnahme europäischer CSPs und Schutz vor Vergeltungsmaßnahmen.

Was das für europäische Provider bedeutet

CISPE-Generalsekretär Francisco Mingorance formuliert es unmissverständlich: „Mit der Beendigung des Broadcom-Programms werden Unternehmen durch Broadcoms unfaire Handlungen irreparabel geschädigt. Sie sind unserer Ansicht nach rechtswidrig."

Die niederländische Cloud-Community beschreibt eine Situation, in der Kosten „exponentiell gestiegen" und Anbieter „sabotiert" worden seien. Widerspruch habe zu „Drohungen, Vergeltungsmaßnahmen und Ausgrenzung" geführt. Die dänische Cloud-Community spricht von einer „äußerst kritischen Hochdrucksituation".

Cloud-Magazin rechnet mit Migrationszeiten von 8 bis 12 Wochen für den Mittelstand und über 6 Monaten für Enterprise-Umgebungen. Für kleine europäische Provider, die jahrelang auf VMware gesetzt haben, sind das existenzbedrohende Zeiträume.

Proxmox: Die Open-Source-Alternative, die erwachsen geworden ist

Wer VMware verlässt, braucht eine Alternative. Und die heißt in vielen Fällen Proxmox.

Proxmox VE basiert auf KVM und LXC und bietet unternehmensreife Funktionen wie Hochverfügbarkeit, Backup, Clustering und Container-Support. Proxmox VE 9, Mitte 2025 veröffentlicht, ist das größte Update in der Plattformgeschichte. Dazu gehört ein neuer Datacenter Manager, der die Migration virtueller Maschinen über Cluster hinweg ermöglicht.

Das Entscheidende an Proxmox: Es ist Open Source. Keine Lizenzgebühren pro CPU, keine Mindestabnahmen, keine Vorauszahlungen. Wer Support will, kann ein Subscription kaufen. Wer das nicht braucht, kann Proxmox kostenlos betreiben.

Was das für gemeinnützige Organisationen bedeutet

Ich arbeite für eine gemeinnützige GmbH im DRK-Rettungsdienst. Budgets bei Non-Profit-Organisationen sind knapp. Die Lizenzkosten, die Broadcom für VMware nach der Übernahme verlangt, hätten wir uns schlicht nicht leisten können. Nicht weil wir nicht wollten, sondern weil das Budget es nicht hergegeben hätte.

Unsere gesamte IT-Infrastruktur läuft heute auf Proxmox. Ohne Proxmox gäbe es unsere Alternative zu den Cloud-Abhängigkeiten nicht. Ohne Proxmox säßen wir im goldenen Käfig von VMware, mit steigenden Kosten und sinkender Flexibilität.

Das ist kein theoretisches Szenario. Das ist unsere Realität.

Der größere Zusammenhang

Broadcoms Vorgehen gefährdet laut CISPE die europäische Sovereign-Cloud-Strategy. Es zerstöre die Autonomie europäischer Anbieter und verstärke die Abhängigkeit von US-Hyperscalern. Langfristig drohten Monopolbildung, weniger Wettbewerb und höhere Kosten.

Das passt in ein Muster, das wir auch aus anderen Bereichen kennen. Cloud-Abhängigkeit, proprietäre Formate, fehlende Exit-Strategien. Der Unterschied: Bei VMware trifft es nicht nur die Nutzer, sondern die gesamte europäische Cloud-Infrastruktur.

Meine Einschätzung

Broadcom hat VMware für 61 Milliarden Dollar übernommen und versucht nun, die Investition durch maximale Preisanhebung und Ausschluss von Wettbewerbern zu refinanzieren. Das ist betriebswirtschaftlich nachvollziehbar. Es ist strategisch kurzsichtig.

Jeder europäische Provider, der zu Proxmox wechselt, ist ein Kunde weniger für VMware. Jeder, der wechselt, stärkt das Open-Source-Ökosystem. Und jeder, der wechselt, zeigt, dass es Alternativen gibt.

Die CISPE-Beschwerde bei der EU-Kommission ist wichtig. Aber sie wird Jahre brauchen. Bis dahin müssen die Betroffenen handeln. Proxmox ist nicht mehr die experimentelle Alternative von vor fünf Jahren. Es ist eine mature Plattform, die inzwischen in Unternehmen, Behörden und eben auch im Non-Profit-Bereich im produktiven Einsatz steht.

Wer noch wartet, sollte nicht auf die EU-Kommission warten. Er sollte auf Proxmox setzen.


Quellen: