EUDI-Wallet startet in 9 Monaten, 52 Prozent wissen nichts davon

Am 2. Januar 2027 soll es losgehen. Die EUDI-Wallet, Europas digitale Brieftasche für die eigene Identität, soll in Deutschland an den Start gehen. Personalausweis, Führerschein, Zeugnisse, Versicherungen, Kaufverträge. Alles auf dem Smartphone, europaweit einheitlich, sicher und rechtlich belastbar.

Eine Bitkom-Umfrage zeigt, wie weit das Thema von der Bevölkerung entfernt ist.

Was die Deutschen wissen

52 Prozent haben von der EUDI-Wallet noch nie gehört. 18 Prozent kennen den Begriff, können ihn aber nicht einordnen. 20 Prozent sagen, sie wüssten worum es geht. Nur 5 Prozent trauen sich zu, das Ganze auch erklären zu können.

Das bedeutet: In 9 Monaten startet eine europäische Standardisierungsinitiative, die jeden Bürger betrifft, und 70 Prozent der Bevölkerung können nicht sagen, was sie ist.

Was auf Anbieterseite passiert

Über 100 Unternehmen haben ein Memorandum of Understanding mit dem Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung und dem Bitkom unterzeichnet. Die Anwendungsfälle reichen von Hotelbuchungen über digitalen Führerscheinnachweis beim Carsharing bis zum Online-Vertragsabschluss.

Das ist gut für die technische Seite. Aber eine Technologie, die niemand kennt, wird nicht genutzt. Und eine Technologie, die nicht genutzt wird, hat kein Ökosystem.

Warum das schiefgehen kann

Die EUDI-Wallet hat das klassische Eier-legende-Wollmilchsau-Problem. Sie soll Personalausweis sein, Führerschein, Zeugnis, Versicherungsnachweis. Alles in einer App. Das macht sie einerseits mächtig, andererseits schwer erklärbar.

Dazu kommt der Zeitplan. 2027 starten, 2025 das Gesetz beschließen, 2026 die Testumgebung aufbauen. Das ist schnell für eine europäische Standardisierung. Aber wenn die Bevölkerung nicht weiß, was sie bekommt, wird der Start leise verpuffen.

Man erinnere sich an die Corona-Warn-App. Die wurde von der Politik beworben, von Medien erklärt, von Influencern gepusht. Trotzdem war die Adoption mühsam. Die EUDI-Wallet hat noch nicht mal den ersten Schritt geschafft: bekannt sein.

Persönliche Perspektive

Ich finde die EUDI-Wallet grundsätzlich richtig. Digitale Identität, europäisch standardisiert, datenschutzkonform. Das ist genau die Souveränität, die Europa braucht. Aber eine Technologie, die niemand kennt, nützt niemandem. 52 Prozent Unbekanntheit bei 9 Monaten bis zum Start ist ein Warnsignal.

Die Lösung wäre einfach: Einfach erklären. Nicht mit technischen Spezifikationen, sondern mit konkreten Szenarien. Du gehst zum Amt, zeigst dein Handy, fertig. Du mietest ein Auto, zeigst deinen digitalen Führerschein, fertig. Kein Papier, kein Plastikkarte, kein Warten.


Quellen: