Krankenhaus-IT: Geldmangel gefährdet die Digitalisierung
Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) hat vieles angeschoben. Digitale Patientenportale, Interoperabilität, IT-Sicherheit, moderne klinische Arbeitsplatzsysteme. Jetzt warnt der Bundesverband KH-IT: Der Fortschritt sei “fragil”. Das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz könnte die Mittel kürzen, die die Digitalisierung am Laufen halten.
Was IT-Verantwortliche beschreiben
Andreas Lockau, Vorsitzender des Bundesverbands KH-IT: “Die Gefahr ist groß. Die Kostenkalkulation in den Häusern wird immer schwieriger. Damit fehlen am Ende Mittel, um Digitalisierung einzuführen und dauerhaft zu betreiben.” Projekte würden gestoppt oder gar nicht erst begonnen.
Alexandra Heimel, stellvertretende Vorsitzende: “Im Grunde erfüllen viele Häuser derzeit nur noch die Mindestanforderungen, damit sie keine Sanktionen bekommen.” Für die eigentliche Weiterentwicklung fehlten Geld, Personal und strategische Unterstützung.
Besonders bitter bei Projekten, die Beschäftigte entlasten könnten. Lockau: “Pflegekräfte oder Ärzte wollen nicht ständig mit Usernamen und Passwörtern hantieren. Man braucht Systeme und Hardware, die schnell funktionieren und trotzdem sicher sind.”
Das Problem mit der ePA
Lockau bringt ein konkretes Beispiel: „Ein Arzt schaut sich keine 50 PDFs in der ePA an.“ „Eigentlich müssten wir die arztgeführte Patientenakte stärken, damit sie im klinischen Alltag sinnvoll nutzbar ist“, so Lockau. Dazu müsse jeder Datensatz klassifiziert werden: wo Informationen künftig benötigt werden, wie Systeme kommunizieren. „Genau an diesem Punkt fehlen vielen Häusern Ressourcen“, so Heimel.
KI-gestützte Spracherkennung würde Beschäftigte massiv entlasten und mehr Zeit für Patienten schaffen. Aber solche Systeme lassen sich oft nicht finanzieren.
IT-Sicherheit als Sorgenkind
Die Zahl der Cyberangriffe auf Krankenhäuser und deren IT-Dienstleister wächst. Der aktuelle Angriff auf Unimed zeigt das Problem: 95 Prozent aller Universitätskliniken betroffen, weil ein einziger Dienstleister angegriffen wurde.
Für die ePA gebe es keine zentralen Sicherheitslösungen wie einen gemeinsamen Virenscanner. “Das lösen aktuell die Häuser oder Dienstleister selbst”, sagt Lockau. Viele Arztpraxen haben keine eigene IT-Abteilung. Externe IT-Dienstleister betreuen dutzende Praxen gleichzeitig und haben “meist gar nicht die Zeit, sich tief mit IT-Sicherheit zu beschäftigen.”
Die Komplexität unterschätzt
Bastian Stockhausen, Geschäftsführer der KH-IT Service GmbH: “Ein Krankenhaus ist eben kein kleines Spezialzentrum.” Es sei viel einfacher, eine einzige Fachrichtung zu digitalisieren als ein komplettes Akutkrankenhaus mit OP, Intensivmedizin, Bildgebung, Labor und zig Fachbereichen.
Heimel: “Spezialkliniken haben vielleicht drei oder vier Fachbereiche. Große Akutkliniken müssen teilweise 80 Bereiche zusammenbringen.” Das sei eine völlig andere Komplexität.
Was das konkret bedeutet
Das KHZG hat die Digitalisierung angestoßen. Aber ohne Nachfinanzierung droht ein Stillstand mitten im Prozess. Lockau warnt: “Man brennt gerade auch die Leute aus, die wirklich Lust auf Digitalisierung haben. Nicht nur die, die es machen müssen.”
Die Umstellung vieler Anbieter auf Cloud- und Rechenzentrumsmodelle verschärfe die Kostenprobleme. Früher habe man einen Server gekauft und diesen über viele Jahre betrieben. Heute seien die laufenden Kosten deutlich höher.
Das Gesundheitswesen steht vor einem Dilemma: Cyberangriffe nehmen zu, die Digitalisierung ist notwendig, aber das Geld fehlt. Die IT-Leiter schlagen Alarm. Die Frage ist, ob jemand zuhört.
Quellen: